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Die »paar« Präsentationstechniken

12.03.2015  |  Präsentation  |  Autor: Nicole Gugger  |  2 Kommentare
Ein seltsamer Begriff. Erfordert eine Präsentation doch eine Vielzahl von Wissen, Strategien, Herangehensweisen und Techniken, die oft erst durch die Anwendungsweise zu "Präsentations-Techniken" werden.

Warum dann ein einzelner Begriff? Zur Verdeutlichung gehe ich es anhand der zeitlichen Reihenfolge durch.

Am Anfang steht das Konzept.

Das bedeutet Zielgruppenanalyse, die Reflexion der eigenen Ziele, Geschichten, Leidenschaft, Kenntnisse und Wesensart. Dann kommt die Priorisierung der wesentlichen Elemente und Argumente und ggf. Recherche. Projektmanagementerfahrung, insbesondere in der Planungsphase kann hier wertvolle Dienste leisten. Anschließend geht es an die Struktur der Argumente, es braucht Dramaturgie, Storytelling, rhetorische Stilmittel und schlussendlich geht es ans Storyboarding.

Im nächsten Schritt folgt die Visualierung. Design, Text, Farben, Bildsprache und Animation. Das Wissen wie Menschen lernen, sich erinnern und wie Aufmerksamkeit gesteuert wird – also Lernmethodik, ist bei der Ausgestaltung vom Medium von wesentlicher Bedeutung. PowerPoint, Flipcharts, Video und alle anderen denkbaren Medien haben dabei ihre jeweiligen Eigenarten und erfordern ihre eigene Technik in der Umsetzung. Eine intensive Durchsicht und Überarbeitung stellt sicher, dass es Sinn macht in die nächste Phase einzutreten.

Wenn der Nebendarsteller parat ist, geht es ans üben.

Und damit an alle Facetten und Techniken der freien Rede, Stimmeinsatz, Mimik, Körpersprache, Körperspannung, Blickkontakt, Atemtechnik. Und so weiter und so fort. Von den technischen Besonderheiten wie Mikro, Licht, Projektion, Video und Co. die während eines Auftritts zu steuern und abzustimmen sind, noch ganz zu schweigen. Und ohne ein geschultes Testpublikum, mit dem Blick für alle diese Themen plus aktuelle Feedbacktechniken kann man sich hier schnell festfahren.

Macht es also wirklich Sinn diese unglaubliche Vielzahl von Methoden, Wissen und Techniken mit dem einzelnen Begriff Präsentationstechniken zusammenzufassen?

Faktisch ja. Dennoch scheint es mir irreführend, da es eine Kompaktheit suggeriert, die schlicht nicht existiert.

Kann ein Mensch das alles können?

Jain. Wohl kaum in der absoluten, ultimativen Tiefe. Aber ein profundes Wissen in vielen der Themen ist absolut möglich – wenn man sich darauf konzentriert. Und je nachdem ob Sie nur gelegentliche Vorträge im Unternehmen halten, als Vorstand häufig im Mittelpunkt stehen und souverän überzeugen müssen oder Ambitionen als professioneller Speaker haben, müssen Sie entscheiden wie tief Sie in den jeweiligen Bereich einsteigen. Bei der Vielfalt wird auch klar – das ist nicht in ein oder zwei Tagen zu schaffen, sondern ein Weg der nur Schritt für Schritt zu bewältigen ist.

Dadurch brauchen Sie sich zukünftig aber auch nicht mehr wundern, warum die Ausarbeitung einer Präsentation einen ganz schön unter Druck setzen kann. Es geht eben nicht um ein „paar Techniken“. Sondern um eine Vielzahl von Fähigkeiten, die erlernt und sowohl strategisch als auch persönlich abgestimmt werden wollen. Und das braucht Zeit, Mut und Arbeit, macht aber auch viel Spaß.

Ein Tipp am Rande: wenn Sie Hilfe suchen und ein Trainer oder eine Agentur das Thema Präsentation als eines von vielen  im Angebot hat, hinterfragen Sie das bitte gründlich. Gleiches gilt für Anbieter die sich z.B. nur auf PowerPoint konzentrieren, aber keinerlei Interesse an Publikum, Konzept, Anlass und persönlichen Vorlieben zeigen. Erst das Zusammenspiel der verschiedenen Disziplinen macht eine überzeugende Präsentation aus.

 

Und ein kleiner Trost am Schluß: wenn Ihnen bei dem Gedanken an die nächste Präsentation ein Seufzer entfährt, freuen Sie sich wieviel Sie schon wissen, denn…

 

Das Bewusstsein über die Komplexität ist das beste Indiz wieviel Sie schon wissen.

 

 

 

Bildquelle ©jas – Fotolia.com

Kommentare zu diesem Artikel

Annette Wüllner  |  21. Mai 2015 um 14:05 Uhr

Liebe Nicole Gugger, herzlichen Glückwunsch zu den tollen Texten und der didaktisch wunderbaren Präsentation (Film über ppt). Als Grafikerin ist mir aufgefallen, dass die Anführungszeichen in dem Begriff »paar« Präsentationstechniken noch nicht an der richtigen Stelle sitzen. Wenn Sie »99 + 66«-Füsschen benutzen wird ihre Präsentation perfekt! Herzliche Grüße, Annette Wüllner

Nicole Gugger  |  21. Mai 2015 um 15:57 Uhr

Hallo und lieben Dank! Ich habe die Anmerkung natürlich gleich zum Anlass genommen, die Anführungszeichen zu korrigieren und bemühe mich, in Zukunft bewusster damit umzugehen. Ich hoffe, Sie sind mit der jetzt gewählten Variante ebenfalls einverstanden. :) Herzliche Grüße zurück

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